Am Platz vor dem Dorf hörte man Schwerter und Äxte gegeneinander prallen. Vereinzelte Sonnenstrahlen der aufgehenden Sonne schlichen sich durch die Holzpfosten vor Archet und der Tau der Wiese flog von den Gräsern am Übungsplatz im hohen Bogen. Eine junge rothaarige Kriegerin, bewaffnet mit zwei Langschwertern tänzelte gerade vor dem ihr gegenüber stehenden hochgewachsenen blonden Kämpfer, dieser bewaffnet mit zwei Äxten. Beiden stand trotz der noch kühleren Temperatur der Schweiß auf der Stirn und die Anstrengung ins Gesicht geschrieben. Nach dieser kurzen Verschnaufpause sprang die Kriegerin ein Schritt nach vor, zog ihr rechtes Schwert im großen Bogen außen rechts gegen die plötzlich parierende Axt, während der linke Arm mit einer geraden Stichbewegung nach vorne schoß und durch eine Ablenkung der zweiten Axt im letzten Moment ihr Ziel doch verfehlte. Blitzartig folgte eine weitere Angriffskombination der Kriegerin gegen den blonden Kämpfer, welcher sichtlich damit zu kämpfen hatte die Angriffe abzuwehren und nicht wieder blaue Flecken unter seinem dicken nietenbesetzten Lederwams einzustecken. Ein Ausfallschritt nach vorne, eine Parade zur Rechten, eine Drehung hinter dem Kämpfer und blitzschnell saßen die Schwerter überkreuzt am Hals des Kämpfers. Schweratmend und wie versteinert blieben die Kämpfer stehen und wollten ihre letzten Energien sammeln, obwohl der Mann genau wusste, dass dies eigentlich sein Ende bedeutet hätte. Im selben Moment hörte man ein Klatschen von der Seite und ein Zwerg sprang von einem Stein herab und ging auf die Beiden, immer noch Beifall und Anerkennung klatschend, zu.
“Ich bin wirklich beeindruckt Eaddren. Das war jetzt der 3. Kampf heute morgen und ihr habt alle drei gewonnen, wenn auch nicht immer fair.” lobte Gilax seine Freundin lachend.
Erst jetzt ließen Eaddren und ihr Waffenmeisterlehrer langsam die Waffen sinken und schoben sie zufrieden in die Gürtel, nach einem anerkennenden Schulterklopfen und gegenseitigem gratulieren für einen schönen Übungskampf. Der Zwerg reichte ihnen je einen großen Fetzen Stoff, sodass sie sich den Schweiß abwischen konnten. Der Waffenmeister nahm einen Wasserschlauch welcher neben den Stein gelegen hatte und trank einen großen Schluck der erfrischenden Flüssigkeit, wieder abgesetzt, wischte er sich den Mund mit seinem Ärmel ab und reichte den Schlauch weiter zu Eaddren, welche ebenfalls begierig trank.
Nickend an Gilax und Eaddren gewandt sprach er:”Er hat Recht Eaddren. Ihr habt beeindruckend schnell gelernt mit den Klingen umzugehen. Zwar bedarf es sicherlich noch der einen oder anderen Feinheit, doch ich denke ihr seid soweit um Archet verlassen zu können und euch euren Pflichten zu stellen. Ich habe mein mir Bestmögliches getan und gelehrt. In Zukunft solltet ihr den Schwarzwolds ebenbürtig gegenüber treten können, besser oder sogar euch ebenbürtig beherrschen diese Sittenstrolche die Kunst des Kampfes auch nicht. Ihr solltet einen alten Freund von mir in Bree aufsuchen, er kann euch sicherlich noch den einen oder anderen Trick zeigen.”
Überrascht wanderte ihr Blick zwischen den Zwerg und ihrem bisherigen Meister hin und her, während den Ausführungen ihres Lehrers. Noch bevor Eaddren etwas erwidern oder ihre Bedenken entgegnen konnte, klopfte ihr Gilax auf den Rücken, wodurch sie überrascht erstmal einen Schritt nach vor gehen musste, und deutete auf das Tor von Archet.
“Nun kommt… wir können beim Essen immer noch darüber sprechen. Jetzt erstmal sollten wir etwas frühstücken und beim Wiederaufbau des Dorfes weiter helfen. Unfassbar… nach fast einem Monat hier, ist immer noch soviel zu tun um die Taten der Schwarzwolds wieder ungeschehen zu machen.”
Die drei sammelten ihre umliegenden Habseligkeiten ein und begaben sich mit knurrendem Magen wieder hinein nach Archet ins Gasthaus um ein ausgiebiges Frühstück einzunehmen. Ihr Lehrer verabschiedete sich danach von den Beiden um seiner Familie beim Wiederaufbau des Hauses zu helfen, dass das Feuer stark in Mitleidenschaft gezogen hatte. Auch Eaddren und Gilax übernahmen die eine und andere Aufgabe und halfen im Dorf so gut es ging und es sollte nicht lange dauern bis die junge Kämpferin ihre Kampfkunst zeigen konnte. Atli Spinnenfluch bat sie in den alten verlassenen Hof von Carl Schössling zu gehen um die alte Spinnenkönigin zu besiegen, welche den Hof mittlerweile vollends eingenommen hatte. Mit dem Zwergenfreund an ihrer Seite gingen sie mit offenen Augen in die Richtung des alten Hofes, dabei konnte Eaddren Spinnen überhaupt nicht leiden und ekelte sich davor, doch was getan werden muss, muss getan werden, prädigte ihr Vater immer wieder.
Angekommen am Hof, mussten sie erst einmal die Kellertüren von dicken Spinnenwebenschichten befreien, um diese überhaupt in ihren Angeln bewegen zu können. Mit einem lauten Ächzen und Quietschen konnte Gilax dann endlich eine der zwei Türen aufklappen und gab ihnen einen schaudernden Blick frei. Dutzende kleine Spinnen, vom einströmenden Licht aufgeschreckt schossen durch den darunter liegenden Raum, versteckten sich in den Ecken oder liefen die Treppen hinaus ins Freie zwischen den Beinen Eaddrens und Gilax hindurch.
“Urgh…. müssen wir da wirklich hinunter Gilax?”
“Ich befürchte es….”
Sie sahen sich mit einem gegenseitig Mut zusprechenden Blick an, nickten sich zu und zogen ihre Waffen ehe sie die Treppen hinab stiegen. Im Kellerraum angekommen, nahm die Kriegerin eine Fakel aus ihrem Gürtel und entzündete diese an einer kleinen Flamme an der Wand. Vorsichtig schwenkte sie diese nach rechts und nach links um einen Überblick über den Raum zu bekommen und einen Grund zu finden, wie diese Scheusale einen Weg in den Hof gefunden haben ohne die Aufmerksamkeit der Besitzer zu erwecken. Als sie ihre Fackel nach links schwenkte, klopfte ihr Gilax auf die Hand und deutete auf die vor ihnen liegende schwach beleuchtete Wand. Mittig klaffte ein riesiges Loch in der Wand, welches weiter zu einem scheinbar unterirdischem Tunnelsystem führte. Vorsichtig gingen die zwei durch das Loch und folgten dem Tunnel bis sie in einen großen Raum ankamen, übersäht von Stalaktiten und Stalakmiten, mit einer atemberaubenden Höhe und vielen weiteren wegführenden Tunneln.
“Wäre dieses Tunnelsystem und dieser Raum nicht so lieblos ausgegraben worden, könnte man meinen hier haben Zwerge ihre Hände im Spiel,” flüsterte Gilax zu seiner Freundin während sein Blick zur Decke wandert. Doch auch ohne zwergischen Ursprungs war Eaddren beeindruckt von dieser Arbeit, und sie hielt ihre Fackel so hoch es ging um etwas mehr Licht zu bekommen, während sie dem Zwerg zustimmend zunickte. Eine beunruhigende Stille herrschte in dieser Höhle und man vernomm nur das seltene Plätschern einzelner Tropfen, wenn sie von den Stalaktiten hinuntertropften.
Das warme leuchten der Fackel ließ unheilvolle Schatten an den Wänden und dem Boden tanzen, welche die zwei Gefährten das eine oder andere mal die Waffen zücken ließ ehe sie bemerkten, dass es nur eine Täuschung war. Ihre Schritte hallten in der riesen Halle von allen Seiten zurück, wodurch sie die Gefahr welche sich hinter ihnen aus einem Tunnelgang zusammen braute nicht hörten. Plötzlich blieb Gilax wie versteinert stehen und deutete Eaddren ebenfalls ruhig stehen zu bleiben, wieder hielt sie ihre Fackel etwas höher und sie lauschtem dem tropfenden Geräusch, welches sich nun ein leises zischen und klackern hinzugesellte. Ein grausiger Schauer lief ihnen über den Rücken als sie diese Geräusche vernahmen und langsam drehten sie sich mit immer noch gezückten Waffen am Absatz um, um daraufhin gleich einen Satz nach hinten zu machen. Denn vor ihnen stand plötzlich eine riesige tiefschwarze Spinne, zwar noch etwas kleiner als Eaddren, doch mit dem Zwerg auf Augenhöhe – insofern man das bei den vielen Augenpaaren der Spinnenkönigin sagen konnte.
Langsam entglitt Eaddren die Fackel bevor sie endgültig mit einem dumpfen Knall am Boden landete und die Flamme auszugehen drohte. Starr vor Schreck waren beide nicht fähig auch nur eine Handbewegung zu machen, geschweige denn wegzulaufen. Doch die Spinnenkönigin vor ihnen brach letztlich jegliche Starre indem sie blitzschnell eine Attacke gegen den Zwerg startete. Gilax jedoch sprang noch rechtzeitig zurück und konnte eine Zange ihres Mauls mit der Axt abwehren. Nun endlich wachte auch Eaddren aus ihrer Versteinerung auf, zog das zweite Schwert und stellte sich kampfbereit der Spinne gegenüber während sie sich überzeugte, dass es ihren Freund trotz des Überraschungsangriff gut ging.
Beide nickten sich einen kurzen Augenblick zu um dann die Spinne zu zweit anzugreifen und in Bedrängnis zu versetzen, Eaddren setzte ihr von der linken vorderen Flanke zu, Gilax von der rechten. Es folgte Schlag auf Schlag, manche konnte das Ungetüm mit ihren Zangen abwehren, manche jedoch verursachten Schnitte, Kratzer und Stichwunden an ihren Körper, welche sie jedoch nur noch rasender machten. Der Kampf dauerte eine gefühlte Ewigkeit, so kam es Eaddren vor, da ihre Kräfte sie bereits wieder anfingen zu verlassen und die Angriffe der Spinne immer heftiger und wütender wurden.
Mit einem letzten Aufbäumen schleuderte die Königin ihre Angreifer nach hinten an die Mauer um sich etwas Luft zu verschaffen und auch die beiden Krieger erkannten die Gunst der Stunde um sich kurz zu erholen. Schwer atmend standen sie mit ihren gezogenen Waffen vor ihr, noch immer flackerte die Fackel in der Nähe von Eaddrens Füßen und verschaffte ihnen dadurch einen halbwegs fairen Kampf. Denn in völliger Dunkelheit wäre Eaddren zumindest der Spinne völlig ausgeliefert gewesen. Die Spinnenkönigin war zu einem finalen Akt bereit und erhob sich zu ihren vollen Größe um einen der Beiden mit ihren Stachel erreichen zu können und zu vergiften. Zwar stellte sie so eine größere Bedrohung dar, doch gab sie dadurch ebenfalls einen guten Teil ihrer Deckung auf. Die zwei Krieger nutzen sofort die Gunst der Stunde und so lockte Eaddren Rotfuchs, mit ihrer Flinkheit und Gewandheit die Aufmerksamkeit ihrer Angreiferin auf sich. Während das riesige Tier damit beschäftigt war der ausweichenden Eaddren ihren Stachel einzurammen, rannte Gilax mit erhobener Axt zu dem nun nicht mehr geschützten Bauch und rammte ihr diese mit aller Kraft und Wucht hinein, sodass ein lautes Kreischen das Tier von sich gab und besiegt in sich zusammen sackte.
Gilax zog seine Beine als auch seine Axt mühsam unter dem schweren Spinnenkörper hervor, unter welchem er halb begraben wurde und vergewisserte sich, dass die Königin nun endgültig das Zeitliche gesegnet hat. Wie es von Eaddren verlangt wurde, sammelte sie ein paar Beweismitteln ein, dass das Biest tatsächlich besiegt wurde und nahm wieder ihre Fackel vom Boden auf. Als plötzlich aus einer Höhlennische ein leises klatschen und kichern zu hören war. Eaddren riss umher und versuchte mit der Fackel die Richtung zu erleuchten. Langsam aber stetig kam ein kleiner Schatten aus dem Dunkel und näherte sich den Beiden, es war eine Hobbitdame, klein, rundlich, mit leuchtenden Augen und einer zarten Stimme.
“Gratuliere Gilax und Eaddren, richtig?”
Völlig irritiert und ihr Schwert immer noch gezogen in der Hand beobachtet sie die kleine, wie ein Honigkuchenpferd grinsende Hobbitdame, die schnurstracks auf Gilax zumarschierte. Dieser hingegen zeigte weder Verwirrung, noch Feindseligkeit, im Gegenteil er lachte und umarmte sie freudig.
“Pinpin… es ist schön euch wieder zu sehen. Aber was macht ihr denn hier?”
“Gilax du kennst doch uns Hobbitse… mal sind wir hier, mal sind wir dort und warum weiß eigentlich keiner so genau. Aber jetzt bin ich auf jeden Fall bei euch und hatte ein richtig erfrischendes Schauspiel gerade. Das war eine reife Leistung, die ihr da vollbracht habt.” gluggste die Hobbitdame dem Zwerg entgegen und kicherte wieder.
Eaddren noch immer völlig verwirrt aber davon überzeugt, dass die Bardin ihnen keine Schwierigkeiten bereiten würde, steckte sie ihr Schwert wieder in die Lederscheide zurück und trat auf die Beiden hinzu. Als sie der Zwerg in der Nähe bemerkte schob er sie vor sich und sprach freudig,
“Pinpin.. darf ich vorstellen, dass ist Eaddren Rotfuchs. Eine langjährige Freundin und mittlerweile angehende Waffenmeisterin. Sie kam nach Archet zufällig als die Schwarzwolds hier alles überfielen.” anerkennend nickte die Bardin Pinpin und stellte sich selbst ebenfalls vor.
“Es ist mir eine Ehre Eaddren Rotfuchs, ich bin Pinpinpula aus der Lau Tyerme An I Beleth. Ich denke Gilax unser Freund hier wird dir schon einiges davon erzählt haben. Eine angehende Waffenmeisterin also, nun ihr habt gerade gezeigt, dass viel in euch steckt. Ich freue mich schon auf eure Weiterentwicklung.” erneut grinste sie Eaddren an, gab ihr einen kleinen Schubs und machte am Absatz kehrt um in Richtung Ausgang der Höhle zu laufen.
“Kommt… wir sollten raus hier, bevor wir noch mehr aufschrecken.”
Blitzschnell sahen sich die zwei Freunde erschrocken an und in der Höhle um bevor sie sich zunickten und der Hobbitdame hinterher liefen. Wieder angekommen in Archet wurden Eaddren und Gilax von Carl Schösslings Familie, sowie von Atli Spinnenfluch wie Helden gefeiert, da sie von dem Unheil moemntan verschont geblieben sind. Pinpin gesellte sich zu ihnen und erzählte allen Anwesenden und Interessierten den unglaublichen Kampf der zweien. Zwar konnte sich selbst Eaddren oder Gilax an so manche Stelle nicht erinnern die die Bardin hier ausschmückte, aber hauptsache die Einwohner schöpften wieder Hoffnung und freuten sich mit ihnen. Es wurde noch ein gemütlicher und vorallem feuchtfröhlicher Abend mit Geschichten, Speis, Trank und jede Menge Bier und Wein. Eaddren fühlte sich wohl zwischen ihren beiden Freunden und erfragte alles über diese Sippe, die nach den Erzählungen nach so grandios und erfahren war, bis Pinpin aufsprang auf der Bank, sich vor Eaddren mit den Händen in die Hüfte gestemmt aufbaute und meinte,
“Mädl… nun fragt ihr mir und bestimmt auch schon Gilax Löcher in den Bauch über die Lau … wie wäre es wenn ihr mit dem Fragen aufhört und eurem Wissen Taten folgen lasst?”
Überrascht und nicht aus den Worten der Bardin schlau werdend, saß Eaddren reglos auf ihrer Bank und blickte ihr in ihr rundes liebevolles Gesicht, mittlerweile gerötet vom vielen Bier.
“Was wollt ihr jetzt von mir hören? Ich interessiere mich nunmal für eure Sippe.”
“HAH… danke das wollte ich hören. Eaddren ich heiße euch Herzlich Willkommen in der Lau Tyerme An I Beleth als Neuling. Fühlt euch wie zu Hause und viel Spaß.” noch breiter grinsend wie zuvor stand die Hobbitdame nun vor ihr und zwinkerte zu Gilax hinüber, welcher sich das Lachen nun nicht mehr verkneifen konnte und lauthals prustete ehe er ein paar klärende Worte an Eaddren richten konnte.
“Kleine Eaddren ihr wurdet gerade Opfer einer der typischen Streiche von Pinpin. Doch auch ohne diesen Streit hast du in der letzten Zeit bewiesen, dass dein Herz am richtigen Fleck sitzt und du dich entwickelst. Deswegen wollen wir dich zu unserer Sippe einladen, denn eines kannst du mir glauben. Die Zeiten sind nicht mehr die selben und du tust gut daran dich einer Gemeinschaft anzuschließen.”
Verstehend mit einem Lächeln gab Eaddren dem Zwerg als auch der Bardin einen kleinen freundschaftlichen Schubs und bedankte sich für die Einladung, welche sie gerne annahm. Mit neuem gelieferten Grund feierten somit die Drei noch tief bis in die Nacht und freuten sich auf die gemeinsame zukünftige Zeit und Abenteuer in der Lau Tyerme An I Beleth.